Kabinett
der
Fiesheiten

Alltägliche Herabsetzungen in
der Grauzone zwischen Spiel und Ernst

26.-27. April 2019

Fiesheit
– eine Einführung

Die Konferenz und Ausstellung „Kabinett der Fiesheiten. Alltägliche Herabsetzungen in der Grauzone zwischen Spiel und Ernst“ werden von Masterstudierenden des Instituts für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie im Rahmen eines Lehrforschungsprojektes veranstaltet.

Vieles kann als fies verstanden werden: eine herabsetzende Aussage, ein Streich oder auch eine Situation – kleine, vielleicht sogar liebevolle Gemeinheiten bis hin zu Mobbing, Ausgrenzung und körperlicher Gewalt. Ein ambivalentes Vergnügen am Fiesen kennzeichnet erhebliche Teile der informellen Kultur – des Witzelns, Neckens, Provozierens – und der massenmedialen Popkultur. In all dem zeichnen sich auch Ambivalenzen der Alltagsmoral ab: Was Menschen als ungerecht, als lustig, als gerade noch akzeptabel, als völlig inakzeptabel verstehen, lässt sich, so die Ausgangsüberlegung, kulturwissenschaftlich genauer nachvollziehen und hinterfragen, wenn wir dem Umgang mit dem Fiesen nachgehen: dem Vergnügen daran, den Auseinandersetzungen darum und den immer neuen Verhandlungen, was als spielerisch und was als ernsthaft gilt. Damit stellt sich auch die Frage nach den vielfältigen Verbindungen zwischen alltäglichen Praktiken und Empfindungsweisen auf der einen und politischer Kommunikation und Programmatik auf der anderen Seite.

Die Vorträge und Projektpräsentationen zeigen, wie sich das Fiese in seinen Formen und Spielarten medial konstituiert, sprachlich niedergeschlagen, historisch verändert hat und politisch wirksam oder auch instrumentalisiert wird. Untersuchungsfelder sind politisches Kabarett/Comedy, Online-Humor, Reality-TV-Shows, (Anti-)Feminismus, politische und filmische Figuren, alltagskulturelle Praxen des Streichespielens und Neckens sowie die journalistische Sprache und die akademische Kultur.

Konferenz: Ablaufplan

26.04

14:30 Uhr
Anmeldung & Empfang
15:00 Uhr
Begrüßung und Einführung (Projektgruppe mit Prof. Dr. Moritz Ege und Dr. Julia Fleischhack)
15:30 Uhr
Prof. Dr. Lars Koch (Dresden): Trump und die Szene der Beschämung
(Keynote)
16:15 -
16:30 Uhr

Pause

16:30 -
18:00 Uhr
Dr. Sebastian Dümling (Basel):
Die Welt als Dschungel – Warum nichts fieser als IBES ist und wir alle im Dschungelcamp leben

Die Welt als Dschungel – Warum nichts fieser als IBES ( = Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!, gemeinhin: das Dschungelcamp) ist und wir alle im Dschungelcamp leben. IBES ist die fieseste Fernsehsendung weit und breit. Allerdings ist sie das nicht, weil dort Menschen Känguruhoden essen (müssen), bis ihnen die Tränen kommen, sondern weil diese Menschen und wir als ZuschauerInnen nicht wissen, ob sie eigentlich Menschen sind, was sie müssen, was sie wollen und was diese Tränen eigentlich bedeuten. Einerseits versucht nämlich eine interne Fokalisierung zu bezeugen, dass das, was wir sehen, wahr ist – die Kameras stehen unmittelbar zu den TeilnehmerInnen. Anderseits verunsichern die Erzählstimmen der ModeratorInnen die Wahrheitsreferenz des von den Kameras Gezeigten. Das mündet in den Leitfragen der Show: Sehen wir hier Menschen, Akteure, Figuren oder Spieler? Kann man den Affektäusserungen, die im Zentrum der Show stehen, vertrauen – verweisen Tränen auf Kummer/Freude, verweisen Schreie auf Wut/Entlastung, oder sind das nur kalkulierte performances von Schauspieler*innen?
Diese durch die Inszenierung erzeugte Verunsicherung wird auf Akteursebene gespiegelt, indem die Akteure gegenseitig permanent die Wahrhaftigkeit ihrer Motivationen und Intentionen infrage stellen. Denn: Die Teilnehmer*innen erwarten hier Spieler, die zum einen versuchen, wie echte Menschen zu handeln, und zum anderen ihrerseits erwarten, es mit echte-Menschen inszenierenden Spielern zu tun zu haben. Das Fiese an IBES besteht somit darin, dass auf Rezeptions- wie Teilnehmerseite Vertrauen zu einer defizitären Ressource wird: Wir sehen ein Kollektiv, in dem Vertrauen geradezu unmöglich wird, und können dem Erzählverlauf der Sendung, der das zeigt, selbst nicht vertrauen. Aber: Ohne Vertrauen können, so sagen SoziologInnen, keine Kollektive bestehen, und, so die ErzählforscherInnen, keine Erzählverläufe aufrechterhalten werden.
Im Vortrag möchte ich zeigen, dass IBES mit diesen Verunsicherungsstrategien eine latente Erfahrung offenlegt, die wir auch ausserhalb des Dschungels machen – jedes Mal, wenn wir in Gesellschaft sind: nämlich, dass soziale Beziehungen prekär und inkonsistent sind, was sich nochmal steigert, wenn diese Beziehungen medial beobachtet werden.
Die fiese Lektion, die IBES lehrt, besteht darin, uns an diese Brüchigkeit zu erinnern.


Prof. Dr. Regina Bendix (Göttingen):
Homo academicus callide
18:00 Uhr
Ausstellungsrundgang und Empfang
20:45 Uhr
Konzert/Rap & Dissing mit
WiesiOnAir und Homes (Göttingen),
Max Fresh und Deef Cosby (Göttingen)
Location: Stadion
Speckstr. 10, 37073 Göttingen

Rap & Dissing- Konzert

Im Rahmen unserer Tagung möchten wir Sie einladen, sich auch in der Praxis der Thematik des "Fiesen" auf musikalischer Ebene zu nähern und die Atmosphäre eines Rap-Konzertes mit provokanten Rap-Texten und DJ-Beats auf sich wirken zu lassen. So veranstalten wir im Anschluss unserer Ausstellungseröffnung (am 26.4) einen HipHop-Workshop mit Live-Musik. Künstler aus der Göttinger Rap-Szene antworten auf ein studentisches Forschungsprojekt, lassen uns live an ihrer Musik teilhaben und gehen auf Fragen ein!

WiesiOnAir:

Beruhig dich erstmal!
Aus dem nichts erscheinen, überzeugen und schnell wieder verschwinden… Soundcloud

Homes:

Homes bewegt sich in seiner Musik zwischen Eigenlob und Selbstzweifel. Der Sound versucht seine Rolle zu finden indem zum Ausdruck kommt was sonst unerwähnt bleibt. Frei nach dem Motto „Umsturz und Vertrauen“ wird ein Weg abseits der üblichen Trampelpfade beschritten um zurück zu kehren zu „Peace, Love and Unity“ als zentraler Bestandteil der HipHop Kultur. An erster Stelle steht dabei stets die Musik, der Flow, die Reime, die Beats
Soundcloud

Max Fresh / Deef Cosby:

Max Fresh & Deef Cosby, das ist Rap in seiner reinsten Form. Zusammen mit ihrem DJ und Produzenten Roboti Niro hat das Göttinger Duo in den letzten Jahren deutschlands Bühnen unsicher gemacht. Nachdem sie 2014 "Doobiesound" ausschließlich digital releasten, droppten sie im November 2017 ihr neues Tape "Lass die Schuhe ruhig an", welches auch auf Kassette erhältlich ist. Für 2019 ist wieder ein Tape geplant und ein anschließender Longplayer, heißt: Sie haben mächtig viel neues Zeug dabei um ordentlich einzuheizen
YouTube

DJ Roboti Niro:

Der gebürtige Wolfsburger und Wahl-Göttinger ist nicht nur dafür bekannt, Rap-Kollegen aus der Region mit seinen Beats den Boom auf den Leib zu schneidern, sondern sorgte auch in der Producer-Szene zuletzt für Wirbel, als er 2013 seinen Longplayer „Travelling Spaces“ auf Vinyl releaste. Wenn er nicht im Studio für den nötigen Funk sorgt, spielt er DJ-Sets, die deinen Hintern zum kreisen bringen. Neben Hip Hop und Soul zählen unter anderem auch Funk und Disco zum Repertoire des göttinger Residents, welches nur wenige Grenzen kennt.

27.04

09:00 -
09:45 Uhr
Prof. Dr. Helga Kotthoff (Freiburg): Fiesheiten von Komikerinnen. Über Gesichts- und Körperpolitik und rituelle Balancen (Keynote)
09:45 -
10:45 Uhr
Pause
10:00 -
12:00 Uhr
Dr. Martina Röthl (Kiel): Aufreizend geparkt? Fiesheit(en) an der „Geschlechterfront“

Der Beitrag richtet die Aufmerksamkeit auf die Subjektivierungspotenziale feministischer und antifeministischer Diskurse und fragt nach epistemischen Interaktionen an  - in unterschiedlichen Diskursen so bezeichneten - „Geschlechterfronten“. Fiesheiten, hier Materialien und Formate, die sich des Instruments der Ironie, der Parodie und der Satire bedienen, werden ins Spiel gebracht, (a) um Akteur*innen entsprechender Felder als Antagonist*innen greifbar zu machen , um (b) ethnographische Annäherungen an den Bereich des Affektiven vorzunehmen und (c) Fragen nach den dispositiven Bedingungen konkreter Aneignung aufzuwerfen.


Dr. des. Christian Elster (Wien): Texturen des Fiesen. Der Schallplattenladen als Klischee und sozialer Aushandlungsraum

Romane wie Nick Hornbys High Fidelity von 1995 und dessen Verfilmung im Jahr 2000 haben klischeehafte Vorstellungen von Schallplattenläden und ihren meist männlichen Betreibern und Kunden maßgeblich geprägt. Der Protagonist Rob Fleming und seine ‚nerdigen‘ Kollegen werden darin als arrogante Gatekeeper gezeichnet, die gemeinsam mit Stammkunden über vermeintliche ‚Wannabes‘ herziehen, die – beispielsweise durch die Frage nach einer ,falschen‘ Platte – ihren ,schlechten Geschmack‘ offenbaren oder schon vorher durch ‚uncooles‘ oder ‚unwissendes‘ Verhalten aufgefallen sind. Diese werden dann kurzerhand mit abfälligen Sprüchen, schiefen Blicken oder schlicht mit Ignoranz gestraft.
Dieses Bild des Plattenladenbesitzers als Hüter des ‚coolen Wissens‘, der (sub)kulturelles Kapital durch fiese Handlungen demonstrativ zur Aufführung bringt, gehört bis heute zur popkulturellen Mystifizierung des Plattenladens. Obwohl sich im Zuge der Digitalisierung längst Machtverschiebungen ereignet haben und Gatekeeper-Funktionen zunehmend beispielsweise auf Algorithmen und auf die KonsumentInnen selbst übergegangen sind, sind sowohl solche ,distinktiven Fiesheiten‘ sowie die Klischees darum, auch in Zeiten von Spotify und Vinyl-Revival präsent.
In meinen ethnografischen Studien, die ich im Rahmen meiner Dissertation über die Praxis des Musiksammelns durchgeführt habe, hat sich gezeigt, dass sich diese Erzählungen regelrecht zu „Texturen des Fiesen“ verdichten können, die auf Handlungen, Erzählungen und Erlebnisweisen von Menschen einwirken. Konkret zeigt sich dies beispielsweise dann, wenn ein Plattenhändler mit den stereotypen Vorstellungen über seinen Beruf spielt und affirmativ das Arrogante, das vermeintlich von ihm erwartet wird, performt. Ähnliches offenbart sich am Beispiel einer jungen Vinylsammlerin, die aus Angst als Greenhorn entlarvt zu werden, bestimmte Tatiken entwickelt hat, sich möglichst unauffällig durch den Plattenladen zu bewegen und mögliche Fallstricke zu vermeiden.
Im Vortrag möchte ich anhand filmischer, literarischer und ethnografischer Materialien aufzeigen, wie die im Call angesprochenen „Wirkungsweisen von Macht und Herrschaft im Alltäglichen und Gewöhnlichen“ in Schallplattenläden offenbar werden können, wie sie sich durch popkulturelle Produkte zu kulturellen Texturen verdichten und wie diese in dem Alltagen von MusiksammlerInnen ihre Wirkung entfalten können.


Julian Schmitzberger, M.A. (Göttingen): Schadenfreu(n)- de? Fiesheiten und Humor in der Fernsehserie ‚Jackass‘ zwischen männlich-subkultureller Norm und spektakulärer Dummheit

Im Jahr 2000 strahlt der amerikanische Musiksender MTV die erste Episode von Jackass aus, eine Show, die schnell dadurch bekannt wird, dass sie riskante und irrsinnige Stunts und Streiche zeigt. Die Protagonisten der Serie, eine Gruppe von jungen Männern, beweisen durch die gefährlichen Kunststücke und das geplante Zufügen von Schmerzen regelmäßig ihre „Dummheit“, aber durch das Spielen von Streichen und anderen Provokationen ebenso ihre „Fiesheit“. Diese Selbstverletzungen und „pranks“ werden als geteilter Humor legitimiert, der etwa durch das unverhohlene Gelächter der „Crew“ nach solchen Aktionen deutlich wird. Die affirmative Bezugnahme auf solche Bilder lässt sich als unechte oder Pseudoschadenfreude verstehen, einem Gefallen am Unglück anderer, das durch eine als lustig oder gerecht empfundene Situation gerahmt wird. Doch wodurch werden die Dumm- und Fiesheiten witzig beziehungsweise erscheinen moralisch angemessen? Und wie kam es dazu?
Durch eine empirische Analyse von Jackass und eine Erkundung der Ursprünge der Fernsehsendung in der kalifornischen Skaterkultur macht mein Vortrag deutlich, wie sich die Handlungen in der Fernsehserie zum einen aus subkulturellen Normen speisen, zum anderen von kommerziellen Interessen getrieben sind. Diese beiden Positionen stellen keinen prinzipiellen Widerspruch dar, sondern werden in der MTV-Serie miteinander versöhnt — hier bedingen sie sich sogar gegenseitig. Denn die Erfolgsgeschichte von Jackass ist ebenso die Geschichte einer notwendigerweise unabgeschlossenen Transformation eines rebellischen (aber ebenso männlichen und sexistischen) subkulturellen Ethos hin zu einem von kommerziellen Logiken und Notwendigkeiten bestimmten massenmedialen Spektakel. Dieser Prozess hat weitreichende Folgen, die bis in die zeitgenössische Popkultur reichen. So wirkt etwa im Genre der prank show diese vergeschlechtlichte Dimension solcher Streiche bis heute nach.

12:00 -
13:00 Uhr
Mittagspause
13:00 -
15:00 Uhr
Christian Carbonaro, M.A. (München): (K)eine Frage des Stils? – Wirkungsmacht widerständiger und widerlicher Praktiken im digitalen Kontext

Twitter Revolution und #ichbinhier - In der Diskussion um den Zusammenhang von Online-Medien und der Produktion des Politischen beschränkt sich der Fokus häufig auf die sichtbarsten und „anständigsten“ Praktiken. Doch wer tiefer blickt und die Heimeligkeit der Akademiker*Innen und Journalist*Innen vertrauten digitalen Umgebung verlässt, kann, sobald der erste Schrecken überwunden ist, feststellen, dass die Welt der Trolle und ihrer in vielen Teilen homogenen Online- Subkultur die ein oder andere Einsicht in die Effektivität politischer Partizipation und zeitgenössischen Aktivismus‘ bieten kann. Ausgehend von der grundlegenden Vorstellung von trolling als sozialem Spiel und lulz als zu gewinnendem Preis, wird dieser Beitrag beispielhaft in die Praxis des raids mittels „historischer“ Beispiele (Habbo Hotel, Epilepsy Foundation of America) aus dem Dunstkreis des Signifikants Anonymous einführen. Dabei wird gezeigt, wie abseits der vordergründigen Lust am „Fiesen“ das Asoziale, das Diskriminierende und das Schadhafte, teils bewusst im Selbstverständnis einer Internet Eugenics, teils unbewusst als antagonistische Destabilisierung der Diskurse, politisch wirken kann. Im Vergleich mit ethnografischen Beobachtungen der White Rose Society aus der Feldforschung im Rahmen meines Dissertationsprojekts wird der Wandel der akzeptierten Praktiken des trolling und raiding, welche maßgeblich für die Transformation von Anonymous von einem „nischigen“, digitalen, subkulturellen Phänomen hin zu einem Banner für massentauglichen Protest war, deutlich. Die White Rose Society ist eine antifaschistische Gruppe von Online/Offline-Aktivist*Innen, die als Kollektiv hauptsächlich im Raum Facebook, individuell aber auch lokal/regional/national an verschiedenen Orten der USA, tätig ist und entstand im Zuge der Nominierung Donald Trumps als Präsidentschaftskandidat. Während ihre Gründer eindeutigen Bezug auf die gängigen Symbole, Praktiken und Deutungen von Anonymous nahmen, löste sich die Gruppe in einer Art Selbstfindungsprozess vor dem Hintergrund „besser sein zu wollen“ von diesen Wurzeln und damit auch von den Strategien und Taktiken, die mit Anonymous assoziiert werden können. Abschließend wird anhand der Beispiele zusammenfassend die Wirkungsmacht der beschriebenen widerständigen Praktiken analysiert und diskutiert.


Chenyang Song, M.A. (Berlin): Meanness and New Generation National Conservative User Groups on Chinese Social Media

When the German word “Fiesheit“ mentioned in the context of social media, it usually refers to phenomena including Internet-Memes, Trolling, online satire, black humor, pranking (or Kuso in East Asian context), online subcultural aesthetics, etc. As many countries from west to east have been experiencing a noticeable rise of nationalism in mainstream political discourse recent years, “Fiesheit“ on social media platforms served as a key factor and offers multiple possibilities for these movements to forge and circulate their messages through new communication networks and online sub/pop-cultural elements. Among these movements, a new Chinese cyber- nationalism wave labeled as “little Pinks” has gained much attention since 2015. Usually, they were described as a group of social media user recognized for their strong female-led fandom characteristics and emotional discourse of irony/ridiculing, seduction and romance.
Using multi-sited online ethnography and discourse analysis I will investigate how the new nationalist discourses emerge and develop through “Fiesheit” in the context of Chinese social media and how is the relation between these new discourses and Chinese online pop-culture/subculture and political participation. Drawing on the multifaceted digital material, I argue that “little Pinks” Internet practices represents a new type of depoliticalized political participation through online identity politics and fandom culture: In the frame of online pop-culture/subculture, a popular nationalistic and a “state-developmentalism” discourses are formed in an entertaining, fragmented and deconstructed way, while official mainstream nationalist discourse is merging with the online popular culture practices. It is the fandom-economic mechanism of Chinese social media that blurred the boundaries between online political participation and popular cultural practice. However, friction between official mainstream and popular nationalist discourse still exists because of Internet censorship against Influencers and entertainment programs.


Abschlussdiskussion

Ausstellung:
Projekte

Projektpräsentationen mit
Umfragestationen

Was sich neckt, das kritisiert sich.
Das scherzhafte Aushandeln von Geschlechterrollen
in der Familie
(Ronja Kiese)

Necken, Frotzeln, Pflaumen: Mit spielerischen Provokationen können die Neckenden Kritik an Verhaltensweisen oder Charaktereigenschaften der Geneckten üben – in einer vermeintlich harmlosen Art und Weise. Gerade im intimen Rahmen der Familie finden mittels „fieser“ Neckereien Aushandlungen von Beziehungen, Erwartungen und Bewertungen statt. Dabei geht es häufig zugleich um normative Vorstellungen – nicht zuletzt von „richtigen“ Geschlechterrollen, wie diese interviewbasierte Untersuchung zeigt. Das Teilprojekt befasst sich mit dem Alltagsphänomen des Neckens in Familien und den damit verbundenen Intentionen, Reaktionen und Grenzüberschreitungen.

Streiche spielen fies gemacht! —  Das Wissen um die Kontrolle von Mensch und Situation
(Melanie Huhn)

Routinierte StreichespielerInnen wissen, wie sie andere Menschen gekonnt reinlegen. Sie suchen sich ihre Zielpersonen auf Basis eines Vertrauensverhältnisses aus, können Situationen zu ihren Gunsten ausnutzen und kontrollieren das Geschehen. Unter anderem sind es diese Aspekte, die ihren Streichen einen fiesen Charakter verleihen und deshalb im Mittelpunkt dieser Forschung stehen. Die Ergebnisse, die aus den Daten von leitfadengestützten Interviews mit ExpertInnen des Streichespielens generiert wurden, werden in Form eines Anleitungsheftchens (soll hier dann lieber Streiche-Anleitungs-Zine hin?) präsentiert, das Vorschläge und Ideen für das Streichespielen liefert.

Scrolling Simulation

„I‘m going to hell for this“ –
heikler Humor auf 9gag
(Rebecca van der Linde)

Die Plattform 9gag ist ein populärer virtueller Ort, um Bilder, Meinungen und Witze mit anderen weltweit zu teilen. Oft spielen die Nutzer hierbei mit Normbrüchen, wozu ein dezidiert „politisch inkorrekter“ Humor gehört. So sind Formen der Herabsetzung und Diskriminierung keine Seltenheit. Das Projekt veranschaulicht, welche Rolle das freie Ausleben von Fiesheit auf 9gag spielt, und welche gemeinschaftsstiftenden Effekte sich aus dem Vergnügen an Herabsetzung ergeben.

Interaktiver Bildschirm

Von fiesen Wahlkampfmanövern,
fiesen Tricks und der fiesen Globalisierung
(Tobias Krauch)

Sind Fiesheiten eigentlich auch Teil „seriöser“ Gesellschaftsbereiche? Wie wird darüber in der Berichterstattung über Politik und Wirtschaft geschrieben? Welche Funktionen erfüllen solche Elemente möglicherweise und was für Spielarten des Fiesen gibt es hier?
Das Teilprojekt recherchiert die Verwendungen des Terminus "fies" in Tageszeitungen rund um Themen aus Politik und Wirtschaft und ermöglicht den Rezipierenden über eine interaktive Darstellung, eine ganz individuelle Auseinandersetzung mit den Forschungsergebnissen.

Video Essays (Monitore)

Das Vergnügen an fiesen Serienfiguren
(Vanessa Pugler)

Zu erfolgreichen Fernsehserien und Sitcoms gehören – auch aus der Sicht des Publikums – fiese Handlungen und Figuren: klischeebehaftete „Mädchenintrigen“, gehässige Wissenschaftler und ihre Sprüche, der virtuose Umgang mit „Pranks“ und Beleidigungen. Ebenso dazu zählen fehl- und über die Stränge schlagende Fiesheiten aller Art. Wie diese Fiesheiten von Zuschauenden wahrgenommen, definiert und diskutiert werden, welche „Moral“ sie verbreiten – oder auch nicht – und inwiefern sie faszinieren und Vergnügen bereiten, steht im Fokus dieses Projektes, das sich vor allem auf die Rezeptionsebene konzentriert.


Typisch Disney-Villain? - Entwicklung eines ikonischen Figurentypus
(Michelle Bappert)

„Ein Disney-Film ist immer nur so gut wie sein Antagonist.“ Der Disney-Fiesling hat trotz seiner unmoralischen Handlungen einen hohen Stellenwert beim Publikum. Auf Basis einer quantitativen Analyse untersucht das Teil-Projekt die Entwicklung der Disney-Villains über drei Produktionsphasen hinweg und veranschaulicht, mit welchen Mitteln das Fiese an ihnen inszeniert wird und wie sie sich von klar erkennbaren bösen Figuren hin zu ambivalenten Charakteren entwickeln.


Battle-Rap. Zwischen Witz & Aggresion – ein schmaler Grat
(Sandra Kawka)

Wenn sich Rapper in einem Rap-Battle messen, greifen sie alle möglichen Schwächen und Unsicherheiten des Gegners auf, um ihn verbal außer Gefecht zu setzen. Durch die Anwendung poetischer Stilmittel, gepaart mit der Performance einer stilisierten Kunstfigur werden Beleidigungen auf eine Weise übermittelt, die das Zuhören spannend werden lassen und einen Raum schaffen, in dem Grenzen, die im Alltag festgelegt sind immer wieder verschoben oder gar aufgehoben werden. Die Künstler bewegen sich auf einem schmalen Grat, der förmlich dazu verleitet, von ihm abzukommen. Aber genau dieses Überschreiten macht den Battle-Rap aus. Diese Studie untersucht, welche Möglichkeiten des „Fiesen“ die vorwiegend männlichen Protagonisten innerhalb der Battle-Rap Szene sehen und wie sie die Grenzen des Herabsetzens in ihren Performances und in dieser Kunstform aushandeln.

Kontakt

Veranstaltungsort:

Tagungs- und Veranstaltungshaus
Alte Mensa
Wilhelmsplatz 3
37073 Göttingen

Vorträge: Hannah-Vogt-Saal
Projektausstellung: Taberna

Ansprechpartner:

Moritz Ege
mege@uni-goettingen.de
Institut für Kulturanthropologie/
Europäische Ethnologie
Heinrich-Düker-Weg 14
37073 Göttingen